
KI-Prozessautomatisierung vs. klassische Automatisierung
Feste Regeln sind nicht veraltet, und KI-Agenten sind nicht automatisch flexibler oder günstiger. Gute Prozessautomatisierung kombiniert beides dort, wo es jeweils nachvollziehbar funktioniert.
Drei Bausteine statt eines Entweder-oder
Bei der KI-Prozessautomatisierung eignet sich regelbasierte Automatisierung für eindeutige Bedingungen: Pflichtfeld vorhanden, Betrag stimmt, Status ist freigegeben. Ein Sprachmodell hilft eher bei unstrukturiertem Text, uneinheitlichen Dokumenten oder einer Klassifikation, die sich nicht sinnvoll als feste Regel ausdrücken lässt. Ein KI-Agent verbindet solche Modellschritte mit Werkzeugen und einem Ablauf.
In der Praxis besteht eine robuste Lösung häufig aus allen drei Teilen. Das Modell macht einen Vorschlag, Regeln prüfen harte Grenzen, und ein Mensch übernimmt Fälle mit hohem Risiko oder geringer Sicherheit.
Direkter Vergleich
| Kriterium | Feste Regeln | Modellgestützter Schritt |
|---|---|---|
| Nachvollziehbarkeit | bei überschaubaren Regeln sehr hoch | benötigt Tests, Protokolle und Beispiele |
| Uneinheitlicher Text | oft aufwendig | kann flexibler sein, bleibt fehleranfällig |
| Harte Grenzwerte | meist die bessere Wahl | sollte nicht allein entscheiden |
| Änderungen | Regeln müssen gepflegt werden | Anweisungen, Modelle und Tests müssen gepflegt werden |
| Kosten | abhängig von Regelmenge und Ausnahmen | abhängig von Volumen, Modell und Kontrollaufwand |
Ein Beleg zeigt die Aufgabenteilung
Bei einer Rechnung kann ein Modell Felder aus wechselnden Layouts extrahieren. Eine Regel prüft anschliessend, ob Netto, Steuer und Brutto rechnerisch zusammenpassen. Fehlt eine Bestellnummer, sollte das System sie nicht frei erfinden: Es kann in einem autorisierten System suchen oder den Fall zur Klärung weitergeben.
Damit wird aus «KI gegen klassische Automatisierung» eine konkrete Architekturfrage: Welcher Schritt braucht Interpretation, welcher eine deterministische Prüfung und welcher eine Freigabe?
Vier Fragen für Schweizer KMU
- Wie häufig ändert sich der Eingang, und wie viele echte Ausnahmen gibt es?
- Kann ein Ergebnis eindeutig geprüft werden?
- Was kostet ein Fehler, und lässt er sich rückgängig machen?
- Wer pflegt Regeln, Testfälle und Berechtigungen nach dem Start?
Eine KI-Beratung sollte diese Fragen mit Beispieldaten beantworten, bevor eine Plattform festgelegt wird. Für einen stabilen, einfachen Ablauf kann eine schlichte Regel weiterhin die beste Lösung sein.


